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Top Surgery Kliniken für nicht-binäre Menschen finden

Du bist trans* und möchtest eine Top Surgery (beidseitige Mastektomie / Mastek) machen lassen, bist aber nicht-binär oder kannst aus anderen Gründen nicht über die Krankenkasse gehen? Wir freuen uns, unsere Informationen mit dir dazu zu teilen, damit du weißt, welche Unterlagen du brauchst und welchen Weg du gehen kannst. Alle Angaben sind natürlich ohne Gewähr. Wir sammeln auch nur aus der Community Infos, um uns gegenseitig zu informieren und sind selber weder Mediziner*innen noch Jurist*innen.

Seit einigen Jahren ist ja außerdem die gesetzliche Lage der geschlechtsangleichende OPs bei den Krankenkassen in Deutschland eher unklar (Danke für nichts, Bundessozialgericht 2023), was es um so schwieriger macht, tragfähige Infos rauszugeben.

Vor einigen Jahren hatten wir in dem Zusammenhang den Artikel “Mastek als nicht-binäre trans Person – ja, aber wie? veröffentlicht. Das war ein kleiner Erfahrungsbericht, wie es uns damals dabei erging, eine Klinik für unsere Top Surgery zu bekommen. Inzwischen hat sich leider gesetzlich nichts verbessert, aber es zeigt sich ein gewisser Trend dabei, was die Kliniken verlangen. Und es finden sich inzwischen auch mehr Kliniken, die auch nicht-binäre Menschen operieren. Das bedeutet dann allerdings für gewöhnlich, dass du die Kosten selbst übernehmen musst, weil die Krankenkassen regulär nur geschlechtsangleichende OPs für binäre Menschen übernehmen.

Warum ist das so kompliziert?

Mit am wichtigsten bei all dem: Menschen sind unterschiedlich und ihre Transitionen auch. Manche nicht-binären Menschen können den binären Weg gehen, andere können oder wollen ihn nicht gehen. Die wenigsten trans* Biografien sind linear, sondern drehen Schleifen und brauchen einfach ihre Zeit. Wir alle sind valid, genau so wie wir sind 😊 Die Art unserer Transition hat in unserem Gesundheitssystem aber leider unfaire Auswirkungen auf Kostenübernahmen. Es ist nicht unsere Schuld, dass das System so ist. Um so wichtiger ist es, zu wissen, was für Optionen uns offenstehen.

Für wen sind diese Tipps?

Um als trans* Person die Kosten für deine Top Surgery von deiner Krankenkasse übernommen zu bekommen, musst du den binären Weg gehen, also in diesem Fall komplett als trans Mann durch Therapie/Indikationsschreiben/Gutachten gehen. In dem Fall wird dich auch jede Klinik operieren, die geschlechtsangleichende OPs anbietet. Als nicht-binäre Person gibt es das offiziell nicht. Außer du hast richtig Glück mit deiner Krankenkasse.

Unsere Tipps hier sind also vor allem für nicht-binäre Menschen, denen der Weg über die Krankenkasse für gewöhnlich nicht offensteht. Denn selbst wenn du die Kosten selbst trägst, operiert dich trotzdem nicht einfach so jede Klinik, die geschlechtsangleichende OPs anbietet. Manche Kliniken verlangen dann (trotzdem) therapeutische Nachweise oder ähnliches. Hier erklären wir dir, wie das meist funktioniert.

Was kostet mich eine Top Surgery?

Die Kosten für eine Top Surgery liegen in Deutschland meist so im Rahmen von 5.000 bis 8.000 Euro, je nach Klinik auch mehr.

Was verlangen die Kliniken von mir?

Leider kommen nicht alle Kliniken für Selbstzahler*innen in Frage, denn manche Kliniken wollen psychiatrische Gutachten, manche Indikationsschreiben und manche fordern nichts von beidem sondern führen ein Erstgespräch mit dir und entscheiden dann nach eigenem „Gewissen“.

Es kann sein, dass sich die Klinik auf das Gespräch mit dir verlässt. Wenn du sagst, du möchtest die OP für deine psychische Gesundheit, dann ist es möglich, dass das für die Klinik genügt.

Meist möchten die Klinken aber noch irgendein therapeutisches Dokument, aus dem hervorgeht, dass du trans* bist. Dabei wird vor allem unterschieden zwischen zwei Arten von Nachweisen:

  • psychiatrischen Gutachten: Diese Gutachten müssen von Psychiater*innen (also Mediziner*innen, nicht „nur“ Therapeut*innen) geschrieben werden. Sehr nervig,
    schwer zu bekommen, teilweise teuer und so weiter.
  • Indikationsschreiben: Indikationsschreiben können alle möglichen Therapeut*innen ausstellen und teilweise auch Beratungsstellen, bei denen Therapeut*innen arbeiten. Das mit den Beratungsstellen ist aber unterschiedlich, je nachdem, wer da arbeitet, also mit welcher Ausbildung. Im Zweifel einfach mal nachfragen. Generell kann jede*r Therapeut*in so ein Indikationsschreiben ausstellen. (Auch solche, die keine Kassenzulassung haben. Dort musst du dann aber die Therapiesitzung selbst zahlen und vermutlich das Schreiben auch noch mal.)

Indikationsschreiben sind viel leichter und meist schneller zu bekommen als psychiatrische Gutachten. Je nachdem, was die Klinik fordert, ist die Hürde also höher oder weniger hoch.

Psychiatrische Gutachten sind eigentlich etwas aus der Zeit des TSG (das “Transsexuellengesetz”, das 2024 vom Selbstbestimmungsgesetz abgelöst wurde). Bis 2024 mussten trans Personen über das TSG gehen, um ihren Vornamen und Geschlechtseintrag zu ändern. Meist war damit verbunden, dass die Krankenkassen sich diese Gutachten auch haben vorlegen lassen, um geschlechtsangleichenden Operationen zuzustimmen. Seit dem Selbstbestimmungsgesetz gibt es diese psychiatrische Gutachten aber nicht mehr beim Prozess, Name und Geschlechtseintrag zu ändern. Von daher hängt es aktuell ein wenig in der Luft, wie Krankenkassen nun die Entscheidung für oder gegen Operationen treffen.

2023 gab es übrigens ein Urteil vom Bundesgerichtshof, das besagt, dass die Kosten für nicht-binäre trans* Personen nicht von den Krankenkassen übernommen werden müssen. Ein wenig hat das Urteil auch den Weg für binäre trans* Personen in Frage gestellt und sicherlich auch erschwert. Seitdem warten wir auf ein neues/abschließendes Urteil zur Kostenübernahme für trans Personen.

Welche Kliniken kommen in Frage?

Wir haben einige Kliniken auf unserer inoffiziellen Liste stehen, von denen wir aus Selbsterfahrung oder durch andere Menschen wissen, dass dort nicht-binäre Menschen operiert wurden. Diese geben wir euch gern weiter, aber setzen sie nicht hier auf unseren Blogbeitrag: weil sich die Bestimmungen der Klinken immer wieder ändern und auch Kliniken dazu kommen. Wir könnten den Anspruch auf Vollständigkeit hier einfach nicht erfüllen. Außerdem gibt es ohnehin online einige Listen und es ist auch gut mit Suchmaschinen zu finden, welche Klinken geschlechtsangleichende Operationen anbieten. Oft steht schon auf der Website, welche Unterlagen die Klinik möchte, oder ihr könnt es dort erfragen.

Was wir hier sagen können: Eine der aktuell bekanntesten Top Surgery Kliniken für Selbstzahler*innen ist in Düsseldorf. Es gibt in Düsseldorf aber mehrere Kliniken für geschlechtsangleichende Operationen. Darüber hinaus kennen wir eine Klinik in München, eine in Berlin und ein paar Praxen in Frankfurt am Main und Umgebung, von denen wir wissen, dass dort nicht-binäre Menschen ihre Top Surgery haben machen lassen und diese privat gezahlt haben.

Je nachdem, wo du wohnst und welcher Ort sinnvoll ist, lohnt es sich auf jeden Fall, in der Klinik mal anzufragen und sich am besten einen Termin für ein Beratungsgespräch zu holen.

Du kannst uns auch gern eine E-Mail schicken (verlag@queer-pack.com) oder eine Nachricht bei Instagram schicken, dann geben wir dir unsere jeweils aktuelle Liste gern raus.

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